Die Schadenseite ist teurer geworden, nicht unbedingt häufiger
Der wesentliche Kostentreiber in der Kfz-Versicherung ist nicht in erster Linie eine steigende Zahl von Unfällen, sondern der durchschnittliche Aufwand pro Schaden. Ersatzteilpreise, Stundenverrechnungssätze der Werkstätten sowie Sensorik und Assistenzsysteme in modernen Fahrzeugen haben die Reparatur eines vergleichbaren Blechschadens erheblich verteuert.
Die Größenordnung ist erheblich: Nach Angaben des GDV sind die Ersatzteilpreise seit 2015 um rund 80 Prozent gestiegen, während die allgemeinen Verbraucherpreise im gleichen Zeitraum um etwa 30 Prozent zulegten. Zwischen August 2024 und August 2025 verteuerten sich Ersatzteile um knapp 6 Prozent. Die Stundenverrechnungssätze der Werkstätten lagen 2025 erstmals im Schnitt über 200 Euro, bei Lackierarbeiten bei rund 220 Euro.
Für Nutzfahrzeuge kommt hinzu, dass Ausfallzeiten und Sonderaufbauten in die Schadenkalkulation einfließen. Ein Kastenwagen mit Regalsystem, Kühlaufbau oder Spezialverkabelung ist im Schadenfall deutlich aufwendiger als sein Listenpreis vermuten lässt.
Der Markt hat sich stabilisiert – die Beiträge steigen weiter
Nach mehreren Verlustjahren hat die deutsche Kfz-Versicherung 2025 wieder ein positives Ergebnis erzielt: Die Schaden-Kosten-Quote lag bei rund 96 Prozent, nach etwa 104 Prozent im Jahr davor. Erreicht wurde das vor allem über die Beitragsseite – die Beiträge in der Kraftfahrtversicherung stiegen 2025 um rund 13 Prozent.
Für 2026 rechnet der GDV mit weiteren Anpassungen: mit etwa 5 Prozent in der Kfz-Haftpflicht und rund 7 Prozent in der Kaskoversicherung. Die Schadenteuerung in der Kraftfahrt-Haftpflicht lag 2025 bei über 7 Prozent und damit deutlich über der allgemeinen Inflation. Für Fuhrparks bedeutet das: Sanierung bleibt Thema, auch in einem technisch wieder profitablen Markt.
Warum Flotten anders kalkuliert werden als Privatfahrzeuge
Ab einer bestimmten Fahrzeuganzahl kalkulieren Versicherer nicht mehr über das klassische Schadenfreiheitsrabatt-System, sondern über den Schadenverlauf des gesamten Fuhrparks. Das Verhältnis von gezahlten Beiträgen zu erbrachten Leistungen über einen mehrjährigen Beobachtungszeitraum entscheidet über die Prämie zur nächsten Hauptfälligkeit.
Das ist Chance und Risiko gleichzeitig: Ein Fuhrpark mit gutem Verlauf kann deutlich günstiger fahren als die Summe einzelner Policen. Ein einzelnes Großschadenjahr wirkt umgekehrt lange nach – oft über mehrere Jahre.
- Stückprämienmodelle: einheitlicher Beitrag je Fahrzeugkategorie, unabhängig vom einzelnen Fahrzeug
- Verlaufsabhängige Anpassung anhand der Schadenquote des gesamten Fuhrparks
- Selbstbeteiligungen als bewusstes Steuerungsinstrument für Kleinschäden
Typ- und Regionalklassen ändern sich jedes Jahr
Typklassen und Regionalklassen werden jährlich anhand der Schadenbilanzen neu eingestuft. Für Fuhrparks, die über Einzelpolicen versichert sind, kann sich die Prämie dadurch verändern, ohne dass sich im Unternehmen etwas geändert hat – allein durch die Neubewertung von Fahrzeugmodell oder Zulassungsbezirk.
Bei den zum 1. Januar 2026 geltenden Typklassen wurden rund 5,9 Millionen Fahrzeughalter höher und etwa 4,5 Millionen niedriger eingestuft; für rund drei Viertel blieb die Einstufung unverändert. Bei den Regionalklassen änderte sich die Einstufung in 99 von 413 Zulassungsbezirken.
Wer Fahrzeuge neu beschafft, sollte die Einstufung deshalb vor der Bestellung prüfen. Zwischen zwei technisch vergleichbaren Modellen können über die Haltedauer erhebliche Beitragsunterschiede liegen.
Was Sie konkret beeinflussen können
Die Marktentwicklung ist gesetzt, die eigene Risikostruktur nicht. In der Praxis lohnt sich der Blick auf diese Punkte, bevor über den Preis verhandelt wird:
- Kleinschadenquote senken: viele kleine Glas-, Rangier- und Parkschäden verschlechtern den Verlauf überproportional
- Selbstbeteiligung realistisch wählen, statt jeden Bagatellschaden zu melden
- Fahrzeugbestand aktuell halten – abgemeldete Fahrzeuge kosten sonst weiter Prämie
- Fahrerkreis, Nutzungsart und Kilometerleistung korrekt hinterlegen
- Ausschreibung mit belastbaren Verlaufsdaten statt mit Schätzungen
Über die Prämie entscheidet selten der Tarif allein, sondern die Qualität der Daten, mit denen Ihr Fuhrpark am Markt angeboten wird.
Was das für Ihren Fuhrpark bedeutet
Wir werten Ihren Schadenverlauf aus, bereiten Ihren Fuhrpark für die Ausschreibung auf und verhandeln unabhängig für Sie – nicht für einen Versicherer.
Sie erreichen uns direkt unter 09128 400988-0 oder per E-Mail an info@flottex.de.
Zur KFZ-FlottenversicherungQuellen
- GDV: Ersatzteilpreise steigen um sechs Prozent – Reparaturkosten belasten Kfz-Versicherer (08.10.2025)
- GDV: Neue Typklassen in der Kfz-Versicherung (09.09.2025)
- procontra: Schadenkostenquote der Kfz-Versicherung erholt sich 2026 weiter deutlich (19.08.2026)
- tagesschau: Werkstatt-Stundensätze und Schadenhöhen (01.10.2025)
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Maßgeblich sind stets die Bedingungen Ihres konkreten Versicherungsvertrags.
